MARION TRUTTER   
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________________ Texte zum Thema Gesundheit ________

 

Komplexe Inhalte gut verständlich zu vermitteln, ist meine Stärke. Dies gilt auch für medizinische Themen. Aus meiner Feder stammen zum Beispiel die folgenden Texte:


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Alkohol und Rauchen – Lust oder Laster?
© Marion Trutter, erschienen in Der-gesunde-Mann.de

Nikotin und Alkohol sind wahrlich keine aphrodisischen Stoffe.
Genau wie Stress und Versagensängste senken sie die Aus-
schüttung des männlichen Sexualhormons Testosteron. Auch
Gefäße und Nerven können in Mitleidenschaft gezogen werden.
Kein Wunder also, dass viele Männer gerade am Ende eines
feucht-fröhlichen Abends schlapp machen. Fatal für die Liebe
ist vor allem eine Kombination aus zu viel Alkohol und Zigaretten.

Alkohol: Kurzes Vergnügen

Ohne Alkohol können sich viele Männer (und auch Frauen!) einen geselligen Abend oder ein Dinner zu zweit gar nicht mehr vorstellen. Bier, Wein, Cocktails oder auch härtere Sachen gehören für sie einfach dazu. Die gängige Meinung: Alkohol entspannt, macht locker und nimmt die Hemmungen. Bis zu einem gewissen Grad trifft dies tatsächlich zu: In Maßen getrunken ist Alkohol ein Genussmittel, und er kann sogar sexuell anregend wirken. So erweitert etwa ein Glas Rotwein die Gefäße, fördert die Durchblutung und im Idealfall auch die Potenz.

Allerdings schlägt diese Wirkung schon nach relativ geringen Mengen ins Gegenteil um. Dann macht auch der noch so edle Tropfen müde und lustlos, denn Alkohol dämpft das zentrale Nervensystem. Bei Bier kommt auch noch die beruhigende Wirkung des Hopfens hinzu – und dann bleibt von einer erträumten Liebesnacht vielleicht nur das große Schnarchen. Dennoch spricht für gesunde Menschen nichts gegen ein schönes Glas Rotwein, einen leckeren Cocktail oder ein erfrischendes Bier. Finger weg dagegen heißt es, wenn Sie unter einer Lebererkrankung leiden, alkoholkrank oder akut gefährdet sind. In diesen Fällen ist jeder Schluck Alkohol tabu.

Ein Tipp für sinnliche Genießer: Bestellen Sie zu alkoholischen Getränken immer auch ein Glas Wasser. So stillen Sie den Durst nicht permanent mit Alkohol. Sie bleiben fit – nicht nur für die Partnerin, sondern auch für den Weg dorthin. Denn spätestens ab 0,3 Promille sinkt die Reaktionsgeschwindigkeit rapide ab. Wer Alkohol im Blut hat, setzt seinen Führerschein aufs Spiel. Wie schnell das gehen kann, können Sie mit unserem Promillerechner testen.

Rauchen: Alles andere als sexy

Zu beschönigen gibt es hier nichts: Rauchen ist schädlich. Der blaue Dunst kann nicht nur zu lebensbedrohlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs führen, er killt auch die Lust. Neuesten Schätzungen zufolge leiden in Deutschland bis zu tausende Männer aufgrund des Rauchens unter Erektionsstörungen. Die Hauptgründe: Zigarettenrauch schädigt die Blutgefäße, wodurch auch weniger Blut in die Schwellkörper des Penis fließt. Wer also tagsüber regelmäßig zum Glimmstängel greift darf sich nicht wundern, wenn abends im Bett nichts mehr geht.

Selbst Gelegenheitsraucher sind vor derartigen Schlappen nicht sicher, denn die gefäßverengende Wirkung des Rauchs setzt unmittelbar nach dem Inhalieren ein. Jeder Zug kann also eine kleine Potenzbremse sein. Zudem führt Nikotin sehr schnell in die Abhängigkeit. Der Weg aus der Nikotinsucht ist dann eine langfristige Tortur. Und nicht zuletzt hemmt Rauchen ganz einfach die Sinnlichkeit: Geruchs- und Geschmackssinn werden beeinträchtigt, Raucherhusten macht nicht gerade unwiderstehlich. Und außerdem: Kennen Sie eine Frau, die verfärbte Zähne und den Geruch nach kaltem Rauch sexy findet?

 

Schlafen Sie gut!
© Marion Trutter, erschienen in AOK - Bleib gesund

Kein Traum: Tausende von Bundesbürgern wälzen sich
Nacht für Nacht schlaflos in den Betten. Ihr einziger
Wunsch: sich in die Kissen kuscheln und einschlummern.
Doch mit zunehmendem Alter wird das Einschlafen oft
zum Problem. Dabei kann man in vielen Fällen das
Sandmännchen mit einfachen Mitteln ins Schlafzimmer
locken und das Gespenst der Schlaflosigkeit ohne
Medikamente vertreiben.

Ohne Schlaf ist das Wachsein nur halb so viel wert, denn in der Nacht erholen sich Körper und Seele von den Anstrengungen des Tages. Doch gerade im reiferen Alter klagen viele Menschen über schlaflose Nächte, und je mehr sie sich mühen, in die Traumwelt zu sinken, desto weiter entfernen sie sich von einer erholsamen Nachtruhe.

Dauer und Tiefe des Schlafes nehmen mit fortschreitendem Alter meist ab , erklärt Dr. Axel Steiger, Schlafforscher am Max Planck Institut für Psychiatrie in München: Dies hängt damit zusammen, daß sich mit den Jahren der Stoffwechsel verändert, ist also völlig normal und sollte zunächst einmal akzeptiert werden. 

Ein erster Schritt zu wonnigen Träumen ist es, so Steiger, alle starren Regeln zu vergessen: Jeder Mensch ist anders, und wieviel Schlaf wir brauchen, ist teilweise genetisch bedingt. Es gibt sowohl geborene Langschläfer als auch Menschen, die von Natur aus relativ wenig Schlaf brauchen.  Über ein paar schlaflose Nächte sollte man sich also nicht grämen. Überlegen Sie sich in Ruhe, wie schlimm es denn wirklich wäre, einmal nicht so viel zu schlafen: Müssen Sie am nächsten Tag wirklich Außergewöhnliches leisten, oder macht es eigentlich gar nichts aus, wenn Sie mal weniger ausgeruht sind?

Vorübergehende Schlaflosigkeit kann verschiedene körperliche und seelische Ursachen haben, wie Krankheit, Zeitverschiebung nach Flugreisen, beruflicher Streß oder Familienprobleme. Räumt man diese Ursachen aus, stellt sich ein gesunder Schlaf meist schnell wieder ein. Auch der Konsum von Alkohol, Kaffee, Tee, Nikotin und bestimmten Medikamenten kann zu unruhigen Nächten führen. Dauern diese über längere Zeit an, kann sich eine chronische Schlaflosigkeit anbahnen. Doch diesem Übel kann man mit einfachen Mitteln vorbeugen (siehe Kasten).

Kritisch wird es erst dann, wenn nächtliche Unruhe das Leben am Tage spürbar beeinträchtigt. Wer nächtelang nur Schäfchen zählt und sich deshalb tagsüber völlig zerschlagen fühlt, riskiert nicht nur momentanen Konzentrationsmangel und schlechte Laune, sondern auch gesundheitliche Folgen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen. Auch viele Unfälle in Haushalt und Verkehr sind nach neuesten Forschungen auf Übermüdung zurückzuführen. Bei länger anhaltender Schlaflosigkeit sollte also ein Arzt zurate gezogen werden, der eventuell einen Test im Schlaflabor organisiert.

Ernstzunehmen ist auch die Schlafapnoe: Damit bezeichnen Medizinier den nächtlichen Atemstillstand, den meist am ehesten der Partner wahrnimmt und der auf Dauer zu erhöhtem Blutdruck und Herzrhythmusstörungen führen kann. Das gleiche gilt für das Restless Leg Syndrom ( Syndrom der zappelnden Beine ), bei dem nachts die Beine kribbeln und zittern. In diesen seltenen Fällen ist der Arzt gefragt, der notfalls auch mit Medikamenten hilft.



Schütz Dich in der Sonne
© Marion Trutter, erschienen in AOK - Bleib gesund

Sommerzeit - Sonnenzeit. Am liebsten würden die Kleinen
von morgens bis abends draußen spielen. Doch Vorsicht:
Gerade für die zarte Kinderhaut drohen bei zuviel Sonne
langfristige Gefahren für die Gesundheit. Wir zeigen, wie die
Kleinen den Sommerurlaub unbeschadet überstehen.

Wer kennt nicht die Tränen nach einem langen Tag am Strand: Die Haut ist knallrot und brennt - eine Tortur vor allem für Kinder. Doch der momentane Schmerz ist nicht alles: Mit jedem Sonnenbrand erhöht sich das Risiko, später einmal an Hautkrebs zu erkranken. Außerdem kann zu viel Sonne eine ganze Reihe weiterer gefährlicher Hauterkrankungen verursachen.

Was ist Sonnenbrand?
Medizinisch gesehen ist der Sonnenbrand eine akute Entzündung der Haut, die von einer leichten Rötung bis hin zu schmerzenden Blasen reichen kann. Verantwortlich für diese Entzündung sind vor allem die UV-B-Strahlen im Sonnenlicht. Aber auch die UV-A-Strahlung birgt Gefahren: Sie kann zu schlimmen Sonnenallergien und anderen gefährlichen Hauterkrankungen führen. Auch eine vorzeitige Hautalterung ist häufig die Folge von zuviel UV-A-Strahlung.

Die zarte Kinderhaut ist bei zuviel Sonne besonders gefährdet. Dies bestätigt Dr. Martin Röcken, Oberarzt an der Hautklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München: Wir haben sehr deutliche Anhaltspunkte dafür, daß Kinder, die im jungen Alter viele Sonnenbrände haben, später ein größeres Risiko tragen, an Hautkrebs zu erkranken. 

Die Gründe wurden erst in jüngster Zeit erforscht: Kinderhaut verfügt noch nicht über ausgeprägte Schutzmechanismen wie die Haut der Erwachsenen. Die Haut der Kleinen wird weniger braun, bildet also weniger Pigmente, um die gefährlichen Sonnenstrahlen abzuhalten. Außerdem kann die junge Haut noch keine schützende Lichtschwiele aufbauen, und auch die Reparaturmechanismen sind noch nicht so gut entwickelt wie beim Erwachsenen. Das Immunsystem kann also die bei einem Sonnenbrand enstehenden Giftstoffe nicht so gut verkraften.

Wie schützen vor der Sonne
Zarte Kinderhaut muß deshalb besonders gewissenhaft vor zuviel Sonne geschützt werden. Denken Sie daran: Jeder Sonnenbrand ist einer zuviel! Wieviel Sonne die Haut unbeschadet verkraften kann, hängt vom Hauttyp und von der schon vorhandenen Sonnenbräune ab. Blonde und rothaarige Kinder mit heller Haut sind eher gefährdet als Kinder mit dunklem Haar und brauner Haut.

Dosis langsam steigern. Für alle Hauttypen gilt: Langsam an die Sonne gewöhnen. Gönnen Sie den Kleinen am Anfang nur kurze Zeit in der Sonne. Wenn sie schon vorgebräunt sind, dürfen sie etwas länger draußen spielen. Mit zunehmener Bräune entstehen immer mehr Pigmente, die vor Sonnenbrand - und damit letztlich vor einem erhöhten Krebsrisiko - schützen können. Dabei ist zu beachten, daß die Außentemperatur nichts über die Stärke der Sonnenstrahlung aussagt: Auch an kühleren Tagen mit Bewölkung kann die Strahlung sehr stark sein. Schlimme Sonnenbrände drohen, wenn kühle Luft eine falsche Sicherheit vortäuscht.

Schatten für die Haut: Kleinkinder sollten am besten immer im Schatten spielen. Aber Vorsicht: Unterm Sonnenschirm ist die Lichteinstrahlung zwar geringer, aber ein Drittel der Strahlung kommt meistens noch durch. Sobald die Kleinen den Schatten verlassen, ist ein breitkrempiger Sonnenhut unverzichtbar. In den ersten Tagen und bei besonders empfindlicher Haut ist außerdem leichte Bekleidung sinnvoll, zum Beispiel langärmelige T-Shirts und lange Hosen aus Baumwolle. Beachten Sie dabei, daß sehr locker gewebter Stoff die Haut sehr viel weniger schützt als dichtere Gewebe.

Kein Brutzeln am Mittag. In der Mittagszeit gehören Kinder (genauso wie übrigens auch die Eltern!) niemals in die Sonne. Zwischen 11 und 15 Uhr ist die Sonneneinstrahlung am stärksten, was nicht nur zu schmerzhaften Sonnenbränden sondern auch zu Hitzschlag oder Sonnenstich führen kann. Machen Sie es sich doch einfach zur Gewohnheit, die Mittagszeit im Schatten eines Cafés oder bei einem Mittagsschläfchen in der Unterkunft zu verbringen.

Die Extrembereiche der Erde. Besondere Vorsicht ist zu jeder Tageszeit am Meer, an Seen und im Hochgebirge geboten, denn Wasser, Schnee und Felsen reflektieren das Sonnenlicht in hohem Maße. Die Haut erhält also noch eine zusätzliche Strahlendosis. Das vielzitierte Ozonloch läßt vor allem die sehr stark krebserregenden UV-C-Strahlen auf die Erde, was bisher aber nur auf der südlichen Erdhalbkugel eine Gefahr für den Menschen darstellt, etwa in Australien oder Südamerika. Dort sollte man die direkte Sonnenbetrahlung am besten völlig meiden.

Das richtige Sonnenschutzmittel
Ein gutes Sonnenschutzmittel ist vor allem bei Kindern unerläßlich. Idealerweise sollte es sowohl gegen UV-A- als auch gegen UV-B-Strahlung schützen. Sicheren UV-B-Schutz für Kinder bieten Produkte mit dem Lichtschutzfaktor 10 bis 30. Weniger erfreulich sieht es dageben beim UV-A-Schutz aus: Die meisten Sonnencremes verfügen noch nicht über ausreichende UV-A-Filter. Die Gefahr von Sonnenallergien und vorzeitiger Hautalterung steigt also noch an, wenn man sich mithilfe starker UV-B-Filter lang in der Sonne aufhält.

Ein gutes Sonnenschutzmittel für Kinder muß außerdem extrem wasserfest sein, denn - so belegen neue Studien der NIVEA-Forschung - die hauteigenen UV-Filter sind wasserlöslich und können schon nach einem kurzen Bad aus der Haut geschwemmt werden. Der Sonnenschutz nimmt dann rapide ab. Wasserlösliche Sonnenschutzmittel, so die Studie, können einen Sonnenbrand sogar noch fördern.
Der Sonnenschutz sollte mindestens eine halbe Stunde vor dem Sonnenbad aufgetragen werden, am besten schon vor dem Frühstück. Alle Mittel wirken nur dann zuverlässig, wenn sie nach jedem Bad wieder neu aufgetragen werden.

Sonnenallergie 
Wenn Ihr Kind in der Sonne zu Allergien neigt, sollten Sie vor dem Urlaub auf jeden Fall den Arzt befragen. Nur er kann entscheiden, ob es sich um eine echte Sonnenallergie handelt oder um eine andere Überempfindlichkeit, etwa in Verbindung mit Medikamenten oder gegen ein bestimmtes Sonnenschutzmittel. Wer zu solchen Sonnenallergien  neigt, benutzt am besten fett- und emulgatorfreie Sonnenschutzmittel ohne Parfüm, Farb- und Konservierungsstoffe.

Pflege nach dem Sonnenbad
Handelsübliche After-Sun-Produkte pflegen die Haut und haben einen kühlenden Effekt, wenn die Haut doch einen leichten Sonnenbrand abbekommen hat. Aber, so betont Hautarzt Dr. Röcken, man darf sich hier nicht täuschen lassen: Die möglichen Spätfolgen eines Sonnenbrandes, wie Hautkrebs oder vorzeitige Hautalterung, kann man durch diese Produkte nicht verhindern. 

Hat man sich trotz aller Schutzmaßnahmen einen Sonnenbrand eingefangen, helfen in leichteren Fällen feuchte, kalte Tücher oder auch Hausmittel wie Joghurt und andere kühlende Auflagen. Fetthaltige Cremes sollten Sie allerdings vermeiden , so Dr. Röcken, weil unter dieser Fettschicht der Sonnenbrand weiter brodeln kann.  Ganz besonders wichtig ist es bei einer akuten Entzündung, die Haut vollständig vor Sonne zu schützen, um sie nicht noch weiter zu schädigen. In ganz schlimmen Fällen muß ein Arzt aufgesucht werden, der entscheiden kann, ob eine medizinische Behandlung nötig ist.

Durch Vorbeugung allerdings sind diese Schmerzen und die Spätfolgen problemlos zu vermeiden. Denken Sie daran: Jeder Sonnenbrand gefährdet auf lange Sicht die Gesundheit Ihrer Kinder. Lassen Sie es nicht so weit kommen!
Marion Trutter



Die Mayr-Kur: Großreinemachen an den Wurzeln
© Marion Trutter, erschienen in der Ärzte-Zeitung

Darmreinigung und die Entgiftung des Körpers werden
zunehmend als Therapie-Instrument genutzt. Besonders
Störungen des Verdauungsapparates, Herz-Kreislauf-
Erkrankungen und Allergien können dadurch positiv
beeinflußt werden. Vor rund 50 Jahren entwickelte der
österreichische Arzt Dr. F.X. Mayr die wohl konsequenteste
Form der Darmreinigung: die Mayr-Kur. Seine Nachfolger
offerieren heute eine gelungene Synthese aus Gesundheits-
pflege und Erholung: Großreinemachen als Urlaubsform 
und von Askese keine Spur.

Nach Sanatorium schmeckt nur der erste Schluck am Morgen. Der Tag beginnt schon kurz vor sieben mit einem großen Glas Bittersalzlösung. Ein Quentchen Überwindung muß sein, doch was sich so bitter anläßt, überschreitet im Verlauf des Tages immer mehr die Grenze zum süßen Leben.

Bis zum Frühstück ist aus dem Vortragssaal noch heftiges Luftschnappen zu vernehmen, die morgendliche Heilgymnastik bringt den Kreislauf ganz schön auf Trab. Wer jedoch bei der Mayr-Kur in erster Linie kränkliche oder fettleibige Mitfaster erwartet, sieht sich schnell eines besseren belehrt: Gerade gesundheitsbewußte Menschen gehören zum Patientenstamm der Mayr-Ärzte. Für sie ist Fasten eine Art körperlicher und seelischer Inspektion - und die führt man am besten einmal pro Jahr durch.

Die Einheimischen nennen das Gesundheitszentrum Golfhotel am Wörthersee die Hungerburg , aber mittlerweile sagen sie es beinahe liebevoll. Schließlich kämpft die Gastronomie in Kärnten seit Jahren gegen sinkende Gästezahlen, das Golfhotel aber ist das ganze Jahr über gut gebucht. Direktor Geissler und sein Team liegen voll im Trend: Gemeinsam haben Medizinier und Gastronomen eine Synthese aus Urlaub und Gesundheitspflege geschaffen, die dem zunehmenden Gesundheitsbewußtsein entgegenkommt. Vier Ärzte kümmern sich unter Leitung von Dr. Harald Stossier ums Wohl der Patienten: Die medizinische Dienstleistung steht bei uns im Mittelpunkt, alles andere ordnet sich diesem Ziel unter , erklärt Stossier, der seit einem Jahr auch der Gesellschaft der Mayr-Ärzte vorsteht.

Der österreichische Mediziner Dr. F.X. Mayr (1875 1965) betrachtete den Verdauungsapparat als Wurzelsystem des Menschen, und dieses gesund zu erhalten ist oberstes Ziel der von ihm entwickelten Kur. Auf dem Programm stehen im Gesundheitszentrum tägliche Arzttermine mit manueller Bauchbehandlung, die gleichzeitig der Diagnose und der Therapie dient. Mannigfaltige Methoden der ganzheitlichen Medizin, allen voran die Austestung von Unverträglichkeiten durch Applied Kinesiology, unterstützen die Kur, wobei mit den Mitteln der klassischen Homöopathie hin und wieder etwas leichtfertig jongliert wird.

Das Urteil des Mayr-Arztes nach der Erstuntersuchung lautet immer: Reduzierung der Nahrungsaufnahme. Dabei heißt Fasten im Gesundheitszentrum nicht Leiden, auch wenn heftige Kurreaktionen wie Kreislaufschwäche oder Kopfschmerzen den Kurgenuß hier und da ein wenig trüben können. Mit Staunen registrieren Neuankömmlinge oft, mit wieviel Charme sich selbst dünner Tee und trockene Brötchen servieren lassen. Das langsame, bedächtige Kauen alter Semmeln wird zum gemeinsamen Vergnügen, und die Teefaster genießen am liebevoll gedeckten Tisch jedes Löffelchen Fenchel oder Melisse oder Gänsefingerkraut  gewürzt mit einem traumhaften Blick über den Wörthersee.

Als wahres Fest feiern Null-Diätler nach Tagen oder gar Wochen der Abstinenz die erste Kursemmel. Hübsch verpackt wie ein Geschenk liegt sie am Morgen des Fastenbrechens auf dem Teller, mit einer frischen Blume dekoriert. Auch der erste Löffel Quark bleibt als himmlisches Erlebnis im Gedächtnis haften, und zwei, drei Tage vor der Abreise erhebt sich der Gast dann in den Schlemmerhimmel der Milden Ableitungsdiät: Diese Form einer betont leichten und säurearmen Ernährung entwickelte der einstige ärztliche Leiter des Gesundheitszentrums, Dr. Erich Rauch, gemeinsam mit Diätküchenmeister Peter Mayr, der seit mehr als 20 Jahren im Golfhotel das Kochlöffel-Regiment führt. Die Küche steht den Gästen immer offen: Wer Fragen hat oder einfach mal in die Töpfe schauen möchte, ist im Reich des Küchenchefs jederzeit willkommen.

Auch sonst bietet das Haus dem Patienten-Gast viel Abwechslung, und wer hier wirklich zur Ruhe kommen möchte, braucht ein gutes Stück Disziplin. Nur für einen kurzen Gruß vom Tischnachbarn reicht oft die Zeit, begleitet im Vorübergehen von einem freundlichen Waren Sie heute schon beim Schiele?  Doch die befragte Mitfasterin hat das ansteigende Fußbad ausgelassen, was verzeihlich erscheint angesichts eines Tagesprogramms aus Morgengymnastik, Lymphdrainage, Kneipp schem Fußbad, manueller Bauchbehandlung und dem freiwillig auferlegten Termin beim Hausfrisör. Auch die neue Badelandschaft mit all ihren Finessen will genutzt sein, etwa beim Saunagang oder beim genußvollen Versinken in einem stillen Kämmerchen, das erfüllt ist von ätherischen Ölen und sanfter Musik.

Hinzu kommen täglich wechselnde Freizeitangebote wie Yoga und Kochkurs, Wanderung und Venengymnastik, Arztvortrag und Kammerkonzert. Nur am Wochenende ist Pause: keine Behandlungen, keine Veranstaltungen  also endlich Zeit, ruhige Stunden in den freundlich renovierten Zimmern zu genießen. Und dennoch kann der Verzicht zur Qual werden: Nach Klagenfurt oder Spittal ist es nur eine halbe Autostunde, das Schloß am Wörthersee  krönt einen Bummel an der Strandpromenade von Velden. Einer der landschaftlich reizvollsten 18-Loch-Plätze Kärntens gab dem Golfhotel seinen Namen und liegt direkt beim Haus. Hunderte Kilometer herrlicher Wege starten vor der Tür, etwa durch herrliche Wiesen und Wälder entlang der Flanken des Pyramidenkogels.

Den Tag beschließt stets ein letzter kurzer Zug durchs Restaurant, wo die Gäste am Abend ihr Bittersalz für den nächsten Morgen einsammeln. Viele sind schon im Bademantel  bereit, sich in die Kissen zu kuscheln und über Hausradio den Suggestionen des Seniorarztes Dr. Rauch zu lauschen: Es geht mir von Tag zu Tag immer besser und besser. 


Möglichkeiten und Grenzen der Mayr-Kur

Nach Dr. F.X. Mayr repräsentiert der Verdauungsapparat das Wurzelsystem des Menschen. Arbeitet dieses nicht effizient, ist der gesamte Organismus in seinen Funktionen beeinträchtigt. Hauptziel der Mayr-Kur ist deshalb eine optimale Ernährung und die grundlegende Entgiftung des Körpers. Diesem Zweck dienen die drei Mayr schen S : befristete Schonung durch weitgehende Ruhigstellung des Verdauungstraktes, Säuberung durch salinische Lösungen sowie Schulung durch Trainieren des bewußten Kauens und Einspeichelns der Nahrung und durch Vermittlung von Basiswissen über Gesundheit und Ernährung. Als viertes S  nutzt man heute auch die Substitution von Mineralstoffen zur Kurunterstützung.

Wichtigste Diagnosekriterien der Mayr-Kur sind Bauchform, Körperhaltung und humoraldiagnostische Zeichen. Die untrennbar zur Mayr-Kur gehörende manuelle Bauchbehandlung durch den Arzt versteht sich gleichzeitig als Diagnose, Therapie und Kurüberwachung. Sie gibt Aufschluß über den Zustand des Verdauungsapparates sowie den Fortgang der Heilung und fördert die Funktion der Bauchorgane.

Entsprechend der Diagnose wird die Behandlungsform gewählt: reines Teefasten oder Milch-Semmel-Diät (je nach Verträglichkeit Weizenbrötchen, Dinkel- oder Quinoafladen) oder Milde Ableitungsdiät mit einer besonders leicht verdaulichen Schonkost. Empfohlen wird eine Kurdauer von mindestens drei Wochen. Zur Kurunterstützung kommen je nach Diagnose naturheilkundliche Verfahren in Betracht, etwa Homöopathie, Colon-Hydro-Therapie, Spezialmassagen, Lymphdrainage, Reflexzonenbehandlungen, Osteopathie, Sauerstofftherapie, Wasseranwendungen, Infusionen, Inhalationen, Aderlässe, Yoga, Venengymnastik und im Bedarfsfall auch psychologische Betreuung.

Störungen der Verdauungsorgane, des Stoffwechsels sowie Allergien sprechen meist besonders schnell auf die Mayr-Kur an, weiter Herz-Kreislauf-Erkrankungen - vor allem Bluthochdruck und alle anderen Risikofaktoren -, der gesamte rheumatische Formenkreis, erhöhte Cholesterin- und Fettwerte im Blut, Kopfschmerz- und Schwindelzustände, Migräne, vegetative Störungen sowie Asthma bronchiale.

Akute Infektionskrankheiten wie Tuberkulose und HIV werden von Mayr-Ärzten nicht behandelt, Krebserkrankungen nur in der Nachsorge nach abgeschlossener schulmedizinischer Therapie. Auch psychiatrische Fälle und sehr schwere Krankheitszustände, die in den Bereich der Notfallmedizin gehören, sind keine Fälle für die Therapie nach Dr. F.X. Mayr. Allerdings steht außer Zweifel, daß auch in diesen Fällen die Darmgesundheit eine große Rolle fürs Immunsystem spielt.